Ergänzung 18.10.09: Der Verzicht auf die Beschaffung war offensichtlich von den Medien falsch kommuniziert. BR Maurer fordert angeblich mehr Geld oder dann eben den Verzicht wenn’s kein Geld gibt aber nicht den Verzicht generell. Dies ist absolut nachvollziehbar, denn die Armee befindet sich mangels Geld in einem absolut desolaten Zustand.
Der untenstehende Artikel ist teilweise überholt.
Bei Amtsantritt hatte Bundesrat Ueli Maurer versprochen, die beste Armee der Welt zu schaffen. Dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt. Gemäss seinem Willen soll der geplante Tiger Teilersatz aufgeschoben werden. Eine neue Berechnung habe ergeben, dass die neuen Kampfflugzeuge teurer würden als geplant, wenn Betrieb und Unterhalt eingerechnet würden.
Der Betrieb und Unterhalt der neuen Kampfjets soll jährlich 100 – 150 Mio. Fr. Kosten, gegenüber 50 Mio. die die Tigerflotte heute kostet. Diese hohe Zahl erstaunt, wo doch die neue Flotte deutlich kleiner sein soll als die alte mit 54 Tiger. Zu beachten ist jedoch, dass die Kosten der Tiger in den nächsten Jahren deutlich steigen können, vor allem wenn deren Lebenszeit abgelaufen ist. Sie werden fehleranfälliger, Ersatzteile werden teurer und schwieriger zu beschaffen. Wurde dieser Aspekt berücksichtigt?
Zudem geht durch den Verzicht auch das Gegengeschäft verloren; durch den Kauf der Kampfjets sollten Investitionen von der Verkäufernation in der Schweiz getätigt werden – ein riesiges Konjunkturpaket, gratis zu den Fliegern hinzu. Daher mutet es sehr zynisch an, wenn jetzt die Linken ob dem Verzicht frohlocken, wo sie doch stets für Konjunkturpakete einstehen. Der Verlust der Arbeitsplätze, der jetzt bei der Luftwaffe droht, ist denen offensichtlich auch völig egal.
Würde der Tiger ersatzlos liquidiert kann die Luftwaffe ihren Auftrag nicht mehr erfüllen. Die vorhandene Flotte von 33 F/A-18 reicht nicht aus, um mehr als 2 Wochen den Luftraum ständig zu überwachen. Zudem fehlt der Luftwaffe immer noch ein Ersatz für die schon vor Jahren ausser Dienst gestellten Mirage IIIRS und Hunter. Ein neues Kampfflugzeug sollte deren Aufgabe der Luftaufklärung ebenfalls übernehmen.
Es stellt sich die Frage, warum immer der Auftrag der Armee nach den Kosten ausgerichtet wird. Man schaut wieviel Geld zur Verfügung steht, ermittelt, was man damit anstellen kann und legt sich dann den Auftrag so zurecht, damit dieser mit den wenigen vorhandenen Mitteln erreicht werden kann oder nimmt es einfach hin, dass gewisse Aufträge nicht mehr erfüllbar sind. Dies ist genau der verkehrte Weg. Der Auftrag muss sich nach der aktuellen Lage und vor allem nach den möglichen Bedrohungsszenarien der nächsten 10-15 Jahre richten und welche davon unsere Armee abdecken soll. Dann wird eruiert welche Mittel zur Auftragserfüllung nötig sind, und das entsprechende Geld muss gesprochen werden. In anderen Departementen wird auch so vorgegangen. So z.B. bei der “Sanierung” der IV. Deren Auftrag ist, vereinfacht ausgedrückt, finanzielle Hilfe an Invalide auszurichten. Dazu sind gewisse Mittel nötig. Da diese nicht reichten, wurde nicht das Budget gekürzt, sondern weitere Mittel beschafft, mit dem Segen des Volkes. Mit dem VBS geht man aber genau den umgekehrten Weg, man passt den Auftrag den Mitteln an, anstatt die nötigen Mittel zu sprechen.
Es ist nicht das VBS wo in erster Linie gespart werden darf. Dort wurde mehr als genug gespart. 1980 betrug der Anteil der Ausgaben zur Landesverteidigung noch 20%, 2001 nur noch knapp 10%, und heute sind es noch 8%. Mit 4.3 Mia. ist das Militärbudget im 2006 bereits tiefer als das der IV (4.4 Mia.) (im 2000 noch 4.9 zu 3.3). In keinem anderen Departement wurde so viel gespart. Die Schweiz als eines der reichsten Länder der Welt soll sich eine Armee nicht mehr leisten können? Soll nicht mehr selbst für seine eigene Sicherheit sorgen können sondern abhängig werden von anderen Ländern?
Trotzdem ist diesem Entscheid auch etwas Positives abzugewinnen. Wenn die gesparten Gelder (sofern man welche spart) den restlichen Armeebereichen zu Gute kommen und dort nicht noch weitere Reduktionen vorgenommen werden (z.B. bei den Panzer-/Artillerietruppen) ist wenigstens denen geholfen. Es ist aber zu befürchten, dass das Budget von der Politik einfach entsprechend gekürzt wird. Vielleicht wird dem Volk durch diesen Vorfall auch endlich klar, dass eine Armee die nichts kostet nicht möglich ist. Der Aufschrei von BR Maurer ist jedenfalls nicht zu überhören. Doch die Hoffnung ist gering, dass bei den Politikern und dem Volk Einsicht einkehrt.
Was verliert die Armee mit diesem Widerruf? – Nicht nur die Einsatzfähigkeit zum Schutz unseres Luftraums, sondern durch das Hü und Hot weiter an Glaubwürdigkeit. Eine Armee die ihre Aufträge nicht erfüllen kann ist wenig glaubwürdig. Damit schneidet sie sich ins eigene Fleisch, denn immer weniger Leute sind so bereit, dringend benötigte Gelder zu sprechen. Um etwas zu erhalten muss man auch etwas fordern.