Woher kommt in Zukunft die elektrische Energie?

2012 läuft die Betriebsbewilligung für das Kernkraftwerk Mühleberg aus. Wird diese nicht verlängert, dann fallen 4.5% der gesamten Produktion elektrischer Energie der Schweiz aus. Das ist bereits in 3 Jahren der Fall! Werden auch die anderen KKW abgeschaltet, fehlen gar 40%. Wie soll die Lücke geschlossen werden?

Die Förderung erneuerbarer Energien wird überall vorangetrieben. Das ist auch gut so. Langfristig ist eine Deckung des gesamtschweizerischen Energiebedarfs durch 100% erneuerbarer Energien anzustreben. Damit ist sämtliche Energie gemeint, nicht nur die elektrische. Doch leider ist es unrealistisch, die Lücke in so kurzer Zeit damit füllen zu können.

Bei der Suche nach einer Lösung muss dem Klimaschutz erste Priorität eingeräumt werden. Alternativen müssen so gut wie möglich CO2 neutral sein. Damit scheiden Gas- oder Kohlekraftwerke bereits aus. Diese arbeiten auch nicht sauberer wenn sie im Ausland gebaut werden und die Energie dann importiert wird.

Gegen KKWs sprechen ein mögliches, wenn auch sehr geringes, Sicherheitsrisiko, die nur endlichen Uranvorkommen und der radioaktive Abfall. Da die KKW keine Dauerlösung darstellen, ist die Endlichkeit des Urans kein ernsthaftes Problem. Das Abfallproblem hingegen muss gelöst werden. Die Problematik liegt hier jedoch nicht in der Menge wie bei anderen Schadstoffen (z.B. CO2), sondern in der Gefährlichkeit. Radioaktive Abfälle haben wir bereits, das Problem muss so oder so gelöst werden. Zusätzliche Abfälle verschärfen das Problem nicht signifikant. Die Gefährlichkeit wird auch gerne überschätzt. Das Risiko eines ernsthaften Störfalls ist durch mehrere redundante Sicherungssysteme auf ein Minimum reduziert. Vergleiche mit Tschernobyl sind nicht angebracht, da dieser Reaktor eines viel gefährlicheren Typs war als die Schweizer KKW und zudem kaum gesichert! Kernkraftwerke sind trotz der gewissen Nachteile nicht so schlecht wie ihr Ruf.

Erneuerbare Energiequellen werden oft ins Spiel gebracht als mittelfristiger Ersatz unserer KKW. Die Wasserkraft ist weitgehend ausgeschöpft. Für Windenergie ist die Schweiz wenig geeignet, zudem stellen die Windturbinen markante Bauwerke dar, die nicht jedermann ins Landschaftsbild passen. Biomasse gibt es deutlich zu wenig, um auch nur annähernd ein KKW zu ersetzen. Bleibt noch die Solarenergie. Hier besteht das Problem, dass Angebot und Nachfrage auseinanderklaffen. Bei geringen Leistungen ist dies noch kein sonderlich grosses Problem, da insbesondere die Wasserkraftwerke Schwankungen ausgleichen können. Bei den Leistungen die nötig wären um die KKW zu ersetzen muss erst eine Möglichkeit zur effizienten Speicherung gefunden werden. Zudem ist Solarenergie noch sehr teuer. In der vorgegebenen Zeit ist ein Ersatz der KKW durch 100% erneuerbaren Energieträger nicht möglich.

Die Senkung des Energieverbrauchs ist eine weitere Möglichkeit die Energielücke zu verringern. Trotz grosser Anstrengung zeigt uns die bisherige Erfahrung, dass dies nur sehr schleppend gelingt. Zurzeit ist sogar ein Anstieg zu verzeichnen. Zudem muss in erster Priorität der Verbrauch fossiler Energieträger reduziert werden. Dies kann auch wieder zu einer Erhöhung des Verbrauchs elektrischer Energie führen, z.B. wenn Ölheizungen durch Wärmepumpen ersetzt werden. Nur sehr einschneidende Massnahmen könnten den Verbrauch so stark senken, dass damit ein KKW rechtzeitig ersetzt werden könnte. Dies ist aber nicht finanzierbar und politisch kaum durchsetzbar.

Was nun? Wir brauchen Zeit! Es besteht die Chance, dass der Ersatz unserer KKW durch Drosselung des Bedarfs und dem Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht werden kann. Realistischerweise allerdings erst in ein paar Jahrzehnten. Die Technologie ist zwar mehrheitlich vorhanden, aber es fehlt das Geld für die genügend rasche Umsetzung. Daher müssten mindestens Teile der KKW so lange weiterbetrieben oder durch einen Neubau ersetzt werden. Langfristig sollte hingegen ein umweltfreundlicher und ökonomischer Ersatz gefunden werden. Währenddessen müssen die Produktion erneuerbarer Energie und die Verbesserung der Energieeffizienz rasch vorangetrieben werden.

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