Die Videofunktion der Canon EOS 5D Mark II ist in aller Munde. Die Spiegelreflex Kamera ist die erste Fotokamera, die Full HD progressiv aufnimmt und erst noch einen Vollformat Sensor besitzt. Durch den grossen Sensor sind Bilder wie bei 35 mm Film möglich. Doch wie gut ist die Bildqualität wirklich? Wie gut schlägt sie sich gegenüber einer konventionellen HDV Kamera?
Die 5D komprimiert in h.264 bei 38.5 Mbps progressive Bilder, der HDV Standard 1080i arbeitet mit dem alten Mpeg-2 bei 25 Mbps mit Bildern im Zeilensprungverfahren. Zudem ist HDV nicht Full HD, sondern wird in 1440 x 1080 Pixel aufgenommen und bei der Anzeige auf 1920 Pixel gestreckt. Alleine dadurch sollten bessere Bilder bei der 5D MK II zu erwarten sein. Zudem können bei der 5D professionelle Optiken eingesetzt werden. Getestet wurde hingegen mit der Kit Optik, dem 24-105 4.0 L IS USM.
Der folgende einfache Vergleich soll etwas Licht ins Dunkel bringen. Es wurden aus dem Video der 5D und einer HDV Kamera jeweils Standbilder extrahiert unter verschiedenen Bedingungen. Es wird nur der subjektive Bildeindruck verglichen von statischen Bildern. Als HDV Kamera wurde die Sony HDR HC1 benutzt. Zugegeben, die Kamera ist schon älter, moderne Kameras könnten noch etwas mehr leisten. Was anderes habe ich aber nicht
Der Komprimieralgorithmus ist auch in modernen HDV Kameras der selbe. Beim ersten Vergleich ist auch ein Referenzbild der EOS 5D dabei, das als Foto geschossen wurde und nachträglich auf 1920 Pixel Breite skaliert wurde. Das Foto wurde während dem Videofilmen aufgenommen, die Einstellungen und Lichtbedingungen sind exakt die selben. Der Unterschied Foto – Videostandbild zeigt die Verluste durch die Komprimierung des h.264.
Die Bilder sind im jpeg Format, allerdings mit Komprimierung 0 und Glättung 0. Jpeg Artefakte sollten daher nicht sichtbar sein. Im Text sind kleine 100% Ausschnitte eingebettet, ein Klick auf das Bild öffnet das Gesamtbild in Originalgrösse.
Vergleich bei gutem Licht
Der folgende Vergleich wurde bei Sonnenschein durchgeführt

100% Ausschnitt aus auf 1920 x 1080 Pixel skaliertem Foto von Canon EOS 5D Mark II
Die Fotografie von der EOS 5D Mark II skaliert auf 1920 x 1080 Pixel zeigt erwartungsgemäss eine hervorragende Bildqualität. Im obigen Ausschnitt sind die einzelnen Ziegel beim Dach rechts noch gut zu erkennen, ebenso die Tannzapfen von der Tanne dahinter. Die Äste vom Busch vor dem linken Haus sind klar und scharf abgegrenzt. Einstellungen: 1/50, F16, ISO 100

Ausschnitt Video Canon EOS 5D Mark II
Beim Standbild aus dem Video der Canon EOS 5D Mark II sind bereits Kompressionsartefakte zu erkennen. Die Ziegel auf der rechten Dachfläche sind einheitlichem Matsch gewichen, während jene auf dem linken Dach noch gut zu erkennen sind. Die Tannzapfen sind nur noch schwach erkennbar, die Äste des Busches vor dem linken Haus sind nur noch knapp zu sehen. Die Farben wirken etwas bleicher als auf dem Foto. Einstellungen: 1/50, F16, ISO 100

Ausschnitt Video HDV Kamera
Mit der HDV Kamera weichen auch die Ziegel des linken Dachs einheitlichem Matsch. Die Äste des Buschs vor dem Haus sind aber noch knapp zu sehen, sogar ein wenig besser als bei der EOS 5D. Die Zapfen sind nicht mehr als solche zu erkennen. Die Hecke im Vordergrund ist undeutlich. Allgemein wirkt das Bild unscharf (der Fokus war aber korrekt eingestellt).
Vergleich bei fast vollständiger Dunkelheit
Die erste Szene (ein Bücherregal) wurde nur durch den indirekten Schein einer Taschenlampe erhellt. Der zweite Vergleich zeigt eine Aussenaufnahme abends kurz nach der Dämmerung. Der Himmel wird im Westen noch ein wenig beleuchtet. Die Kameras wurden über ihre Grenzen gebracht, brauchbare Bilder sind erwartungsgemäss von keiner entstanden. Die Einstellungen waren so, dass maximal helle Bilder entstehen. Der Vergleich soll aufzeigen, bei welcher Kamera die Grenzen tiefer liegen.

100% Ausschnitt der 5D MK II bei sehr schwachem Licht. Lk: Bücherregal, rt: Aussenaufnahme Abends
Auf dem ersten Bild ist nicht mehr viel zu erkennen. Trotzdem sind die Bücherrücken noch lesbar. Die Farben einzelner Bücher sind auch noch erkennbar. Das Rauschen ist hoch, die Kamera ist an ihren Grenzen. Zu beachten ist, dass mit der Kit Optik nur eine Blende 4.0 möglich ist. Mit einem lichtstärkeren Objektiv liegt noch wesentlich mehr drin.
Bei der Aussenaufnahme sind die Konturen des Horizonts noch gut zu erkennen und wirken einigermassen scharf. Die Äste des Baums grenzen sich vom noch hell leuchtenden Himmel ab. Im Himmel ist jedoch deutliches Rauschen feststellbar.
Einstellungen bei beiden Bildern: 1/30, F4, ISO 6400.

100% Ausschnitt aus HDV Video bei sehr dunkler Szene. Lk: Bücherregal, rt: Aussenaufnahme Abends
Auf dem Bild der HDV Kamera muss man die Bücher suchen. Nur noch sehr schwach schimmern sie aus dem verrauschten Schwarz. Farben sind kaum mehr vorhanden.
Die Aussenaufnahme ist schummrig und unscharf, da nützten auch unterschieldliche Fokuseinstellungen nichts. Die in der Kamera eingebaute Optik ist offensichtlich dieser Situation nicht gewachsen. Der Himmel ist sehr dunkel, aber etwas rauschärmer als bei der 5D.
Fazit
Nach subjektivem Vergleich zeichnet die EOS 5D Mk II wesentlich bessere Videos auf als die HDV Kamera. Die Bilder sind schärfer mit mehr Detail und deutlich lichtstärker, selbst mit der lichtschwachen Kit Optik. Trotzdem sind bei den 5D Videos noch Verbesserungen möglich wie das Vergleichsfoto zeigt. Mit höhererer Datenrate wären noch brillantere Bilder möglich, die Bearbeitung würde hingegen noch mehr den Rechner in die Knie zwingen.
Wenn es nur um die Qualität geht, kann man die HDV Kamera ruhig im Schrank lassen und zur EOS 5D greifen. Die Bedienung ist hingegen funktionsbedingt bei der EOS 5D einiges mühsamer als bei einer Kamera wenn man nicht entsprechendes Zubehör kaufen will. Mit etwas Übung kann man durchaus auch frei aus der Hand in dynamischen Szenen brauchbare Videos zaubern, Wackeln ist ja heute scheinbar Mode wenn man sich die modernen Filme anschaut
Nachteilig ist nur, dass man entweder vollautomatisch oder voll manuell aufzeichnen muss. Blenden- oder Zeitautomatik gibt es nicht bei Videoaufnahmen. Also schraubt man ständig an den Rädchen oder ärgert sich über die teils unsinnigen Einstellungen. In den Videos von der Flugshow Axalp hat die Kameraautomatik es tatsächlich geschafft die Blende teilweise auf 40 zu zu regeln und gleichzeitig in ISO 3200 aufzunehmen! Da läuft was im Algorithmus deutlich schief. Ansonsten ist die EOS 5D zum Videofilmen absolut empfehlenswert.